Sinnesorgane von Schlangen Schlangensinne: züngeln riechen sehen Augen hören wärmeorten

Sinnesleistungen von Schlangen

Es gibt über 2900 verschiedene Schlangenarten, die unterschiedliche Lebensräume bewohnen, unterschiedliche Nahrung jagen und unterschiedliche Aktivitätszeiten haben.
Das alles erfordert eine Vielzahl von entsprechend angepassten Sinnesleistungen.
Viele Schlangen sind im Besitz der meisten dieser Sinne, wobei diese bei ihnen unterschiedlich gut ausgeprägt sind. So wird auch nicht nur von einem der Sinne Gebrauch gemacht, sondern diese viel mehr kombiniert, was eine Steigerung der Sinneseindrücke zu Folge hat...

Inhaltsverzeichnis:

  1. [ Der Geruchs- und der nasovomerale Sinn ]
  2. [ Der Sehsinn ]
  3. [ Der Hörsinn ]
  4. [ Das Wärmeorten ]

1. Geruchssinn und Vomeronasalen Sinn:
Eine Thamnophis elegans vagrans züngelt und erkundet so ihr Umfeld In Verbindung mit dem Wort Schlange denkt man nicht selten an die gespaltene Zunge. Diese ist ganz eng mit dem wichtigsten Sinn der Schlangen verknüpft: dem Vomeronasalen Sinn.
Schlangen nehmen beim Züngeln (bei geschlossenem Maul, durch eine Spalte im Oberkiefer) über ihre im Schnitt runde Zunge Geruchspartikel auf, die mit dem am Gaumendach liegenden Jacobsonsches Organ (oder Vomeronasales Organ, VNO) ausgewertet werden. Da die Schlangenzunge gegabelt ist, kann sich die Schlange mit den daraus folgenden Informationenen (räumlich) orientieren. Denn die beiden Zungenspitzen dienen der Schlange auf diese Weise als zwei feine Messgeräte, die geringe Konzentrationsunterschiede von Geruchsmolekülen unterscheiden und somit die Richtung einer Geruchsquelle feststellen können.
Die Tiere sind somit in der Lage, ihr Umfeld auch dann deutlich wahrzunehmen, wenn die Augen als Informationsquelle wegfallen (z.B. nachts oder in dicher Vegetation).
Die Nase (und der eigentliche Geruchssinn) spielt bei dem Ganzen nur eine untergeordnete Rolle.


2. Der Sehsinn:
Der Sehsinn ist bei den verschiedenen Schlangen unterschiedlich gut ausgeprägt und von deren Lebensweise abhängig.
So können grabende Arten wie [ Blindschlangen ] nur schlecht sehen (die Augen sind teilweise von Kopfschuppen bedeckt, vermutlich können sie nur hell und dunkel unterscheiden), viele [ Nattern ] und [ Giftnattern ] dagegen verlassen sich vor allem bei der Jagd bzw. wenn es um das Bemerken von Feinden geht auf ihre Augen, mit denen sie in erster Linie auf Bewegung reagieren. Diese Exemplare halten oft Kopf und Vorderkörper aufgerichtet, um so eine bessere Übersicht zu erlangen.

Die Augen der Schlangen sind auch bezüglich ihrer Position an die jeweilige Lebensweise einer Schlange angepasst. Während die Augen bei Anakondas (Eunectes) mit einer stark aquatischen Lebensweise hoch oben am Kopf liegen, sind sie bei einigen anderen Schlangen mehr seitlich am Kopf angeordnet, was ein sehr großes Sehfeld zur Folge hat, allerdings nicht zu Lasten des räumlichen Sehens geht.

Die Akkommodation, das "Scharf-Stellen" auf einen Gegenstand, funktioniert bei Schlangen anders, als bei uns Menschen. Während im menschlichen Auge eine veränderte Entfernung zu dem betrachteten Objekt durch eine Anpassung der Linsendicke (dicker oder dünner) ausgeglichen wird, wird im Schlangenauge die Linse verschoben und somit der Abstand zur Netzhaut verstellt.


3. Der Hörsinn (Erschütterungssinn):
Schlangen besitzen zwar kein Außenohr, aber diese grabende Sandboa kann nimmt mit dem Innenohr Bodenvibrationen wahr. Schlangen sind (nahezu) taub. Außenohr, Gehörgang und Trommelfeld sind bei dieser Tiergruppe überhaupt nicht entwickelt. Die Schlangen des "Schlangenbeschwörers" sind keinesfalls musikalisch veranlagt und reagieren nicht auf die gespielte Musik - die sie gar nicht hören können - sondern auf die Bewegungen der Flöte, die sie zu fixieren versuchen.

Allerdings verfügen Schlangen über ein gut ausgebildetes Innenohr, mit dem sie Bodenvibrationen wahrnehmen. Bei manchen Schlangen (z.B. Sandboas) ist die Wahrnehmung solcher Vibrationen so fein, dass sie nicht nur vor großen und schweren Feinden gewarnt werden, sondern sogar eine auf dem Sand laufende Maus orten und gezielt erbeuten können.


4. Das "Wärmeorten":
Innerhalb der Schlangen gibt es zwei Gruppen, die sich im Laufe der Evolution hinsichtlich des Aufspüren von warmblütigen Beutetieren besonders angepasst haben. Diese Schlangen sind im Besitz von speziellen Gruben, mit denen sie Infrarotstrahlung dektieren.
Diese Schlangen sind so in der Lage auch nachts bzw. in dunklen Höhlen unter der Erde kleinere Säugetiere zu "sehen" und präzise zu erjagen.
Aufgrund der paarigen Anordnung des Grubenorgans, kann das Infrarotbild räumlich sehr genau sein und mit dem visuellen Bild regelrecht "verknüpft" werden.


Weiterführende Literatur: Wartenberg, Lars (2004): Infrarotdetektion bei Schlangen. DRACO (Münster), 5(1): 68 - 72.


 

[ © Philipp Berg 2004 - 2007 ]

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